Die Autoren Mechtild und Wolfgang Opel sind seit vielen Jahren weltweit unterwegs und besonders von Kanadas Kultur, Geschichte und Landschaft fasziniert. Gemeinsam haben sie das Länderporträt „Kanada” geschrieben, das auch im MANA-Verlag erschienen ist. Mehrere Monate im Jahr wohnen und leben sie in Nova Scotia. CANADA BACKROADS sprach mit den beiden Autor/-innen über ihre Buchprojekte, Kanada, Nova Scotia als zweite Heimat, Corona und ganz besondere Kanada Momente.

(Fotos © Mechtild und Wolfgang Opel)

Mögt Ihr Eure Buchprojekte rund um Kanada kurz selber vorstellen?

Mechtild: Zwei Reiseführer bisher – je einer von mir „Kanada – Der maritime Osten“, einer von Wolfgang „Nova Scotia – 50 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade“. Bei einem dritten bin ich Ko-Autor: „Kanada Osten/ USA Nordosten“ und ein vierter (von Wolfgang) ist im Kommen: Kanada-Atlantik-Provinzen – 60 Highlights abseits der ausgetretenen Pfade“.

Wolfgang: Dazu kommen noch das Kanada-Länderporträt und, ebenfalls im MANA-Verlag, ein Buch über Eisbären, von denen ja bekanntlich zwei Drittel in Kanada leben.

Mechtild: Wie man sieht, stehen bisher die Atlantikprovinzen und die Arktis im Vordergrund. Dazu kommen zahlreiche Artikel in Zeitschriften, die teils auch ganz andere Regionen betreffen und neben Reisen oft auf Kultur und Historisches an diesen Orten fokussieren. Aber wir haben auch verschiedene weitere Buchprojekte und arbeiten beispielsweise an einem Buch über einen fast unbekannten Oberlausitzer, der 1850-1854 in der Arktis verbrachte und an der Auffindung der Nordwestpassage beteiligt war. Generell scheint es jedoch schwierig zu sein, Verlage zu finden, die an historischen Themen interessiert sind.

Wieviel Zeit verschlingt ein Buchprojekt z.B. ein Kanada-Reiseführer? Was ist die größte Herausforderung?

Mechtild: Der Zeitaufwand ist unterschiedlich lang: An dem umfangreichen Reiseführer für den Reise-Knowhow-Verlag habe ich mehrere Jahre gearbeitet, da viel mehr Details drin sind. Auch bei Nachauflagen ist immer noch ein mehrmonatiger hoher Aufwand für Recherchen und notwendige Reisen erforderlich.

Wolfgang: Für die „kleineren“ Reiseführer über Nova Scotia bzw. die Atlantik-Provinzen habe ich jeweils ein Jahr benötigt. Die größte Herausforderung sind neben der Erwirtschaftung der Reisekosten dann das Schreiben selbst, die leser- und nutzergerechte Umsetzung der Ideen und der subjektiven Reiseeindrücke, dazu die Mühseligkeit (und auch der Spaß) der gründlichen Recherche und die Nachbereitung der Reisen, sowie ggf. die Ausrichtung am vom Verlag vorgegebenen Format.

Kann man als Reiseautor/-in alle Orte besuchen? Und wo gibt es noch graue Flecken für Euch auf der Kanada-Karte?

Wolfgang: Wir haben nahezu alle der beschriebenen Orte selbst bereist, bei ganz wenigen Ausnahmen stützen wir uns auf verlässliche Berichte zumeist von Freunden. Lieblingsorte gibt es eine ganze Reihe. Plätze, wo wir gern wieder hin möchten, sind u.a. Haida Gwaii und einige Regionen der Arktis; aber ob wir das schaffen werden, steht in den Sternen.

Mechtild: Wir haben mittlerweile sämtliche Provinzen und Territorien Kanadas mehrfach besucht: Wir waren im äußersten Osten von Kanadas Festland in Labrador und auf der Insel Newfoundland, wir waren an Kanadas Südspitze am Lake Erie, im Westen auf Haida Gwaii und auch in der nördlichsten Siedlung Kanadas in Grise Fjord. Trotzdem gibt es  viele Orte und Regionen, in die wir noch nicht gekommen sind. Das nördliche Québec (außer Nunavik) beispielsweise, und auch Nord-Ontario stehen noch auf der Liste. In den Südosten Albertas haben wir es noch nicht geschafft, und auch an der Küste von BC gäbe es für uns noch viel zu entdecken.

Ist das Leben in Kanada wie Urlaub?

Mechtild: Nein, kein Urlaubsmodus, da ist der Unterschied nicht so groß, denn wir arbeiten ja generell von Zuhause aus – falls wir nicht auf Reisen unterwegs sind. Das Alltagsleben ist aber unterschiedlich: zum Beispiel gehen wir nur noch ein oder höchstens zweimal in der Woche einkaufen, denn der nächste Markt/Supermarkt ist 20 bzw. 35 km entfernt, in Berlin dagegen nur 150 Meter. Wir sehen in Kanada unsere Familie nur noch via Skype – falls sie nicht zu Besuch ist; dafür haben wir gelegentlich die Nachbarn oder kanadische oder deutsche Freunde zu Gast oder sind bei ihnen.

Wolfgang: Auf Reisen unterwegs ist es oft überhaupt nicht urlaubsmäßig – man muss ja unentwegt aufmerksam sein, sich ab und zu Notizen machen, vieles mit der Kamera dokumentieren, falls später das Gedächtnis versagt, überlegen, was später für ein Buch wichtig sein könnte, etc.

Mechtild: Das ist richtige Arbeit! Und am Abend, anstatt auszuruhen, wird bis spät das Reisetagebuch vervollständigt – und die Fotos müssen auf den Notebooks gesichert werden.

Was ist Kanada für Euch?

Mechtild: Ein wunderschönes Reiseland. Wo es viel zu entdecken gibt. Wo die Menschen mehrheitlich unvoreingenommen und freundlich sind. Wo wir viele Freunde gefunden haben. Ein Land, in dem man sich sehr wohl und fast wie zu Hause fühlt.

Wolfgang: Und trotzdem ist Kanada nicht das Paradies. Viele der sehr ernsthaften Probleme wird man erst mitbekommen, wenn man sich intensiver mit Land und Leuten beschäftigt.

War Kanada schon immer Euer Traumziel ?

Mechtild: Wir hatten viele Traumziele, wie Italien, Island, Neuseeland und Australien.

Wolfgang: Es war eher Zufall, dass wir uns nach einem ersten Besuch 1996 bei Freunden bis heute so intensiv mit Kanada beschäftigen. Was wir natürlich überhaupt nicht bedauern!

Was sollte man in Kanada unbedingt gesehen und erlebt haben?

Mechtild: Alles was mit der indigenen Bevölkerung zusammenhängt – und das nicht nur mit dem Blick von außen!

Wolfgang: Natur, Natur, Natur!

Eure besonderen Kanada-Momente?

Schöne Momente: Jedes Mal, wenn der Flieger wieder sicher in Kanada gelandet ist.

Melancholische Momente: Jedes Mal, wenn wir für die Heimreise packen und Abschied nehmen müssen!

Aufregende Momente: Zum ersten Mal in unmittelbarer Nähe von Schwarz-, Eisbären und Grizzlys zu sein!

Einsame Momente: Vielleicht einmal, da waren wir in der Nachsaison in Labrador als einzige auf dem Campground, und in der Nähe gab es Bären. Ansonsten fühlen wir uns eigentlich kaum einsam – denn wenn man will, kommt man meist schnell mit Einheimischen in Kontakt!

Lustige Momente: Lachen tun wir so viel, dass es uns schwer fällt, einen allerlustigsten Moment zu benennen.

Nova Scotia ist Eure zweite Heimat: Warum diese Region Kanadas?

Wolfgang: Naja, je nach unseren sonstigen Plänen sind wir bis zu 6 Monate dort, da man als Tourist auch nur maximal sechs Monate im Jahr in Kanada bleiben darf. Nova Scotia ist maritim geprägt, was mich immer an die Ostsee erinnert. Vor allem aber ist es nicht überlaufen, nicht hektisch. Und hat alles, was man braucht, ist reizvoll für Entdeckungen abseits der ausgetretenen Pfade, hat ein angenehmes Klima, überwiegend freundliche aufgeschlossene und tolerante Menschen. Unser Lebensmittelpunkt ist aber nach wie vor Deutschland, schon wegen der Familie und auch dem deutlich besseren Gesundheitssystem.

Mechtild: Für uns ist auch nach fast 25 Jahren Kanada-Reisen Nova Scotia die erste Wahl. Höchstens Neufundland wäre eine Alternative, das aber schwerer zu erreichen ist. Eine Auswanderung kommt für uns nicht nur aus Altersgründen nicht infrage.

Eure 5 Reisetipps für Nova Scotia, die vielleicht nicht im Reiseführer stehen…?


Wolfgang: Die stehen im nächsten Reiseführer, den 60 Tipps für Atlantik-Kanada. Ansonsten: immer abseits der ausgetretenen Pfade, denn da gibt es viel zu entdecken!

Kulinarische Highlights in Nova Scotia sind für Euch...?

Mechtild: Fangfrischen Fisch aus dem Atlantik sowie Lobster und Scallops in allen Zubereitungsarten.

Wolfgang: Fastfood und kanadischen Kuchen möglichst vermeiden!

Was bedeutet Corona für Eure Reisepläne und Buchprojekte?

Mechtild: Alle Reisepläne sind erst einmal gestoppt und auf Eis. Arbeit gibt es auch so genug, denn wir haben stets ausreichend reiseunabhängige Projekte – allerdings bisher ohne Verlag, da die Manuskripte noch nicht weit genug gediehen sind.

Wolfgang: Der Erscheinungstermin meines neuesten Buches ist wegen COVID-19 erst mal auf 2021 verschoben worden. Für Kanada-Bücher ganz allgemein bedeutet die Pandemie, dass es Kanada als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesser zweimal gibt: einmal eher virtuell jetzt im Oktober, und wahrscheinlich 2021 hoffentlich wieder wie gewohnt.

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